Streitfall: Geldschöpfung, Geldmengensteuerung, Entstehung der Gewinne

Bei der Diskussion über Lösungsansätze für eine postkapitalistische Ökonomie gibt es unterschiedliche Auffassungen über eine angemessene Geldpolitik und es wird von namhaften Ökonomen (Binswanger, Peach u.a.) die These vertreten, dass in einer nicht mehr wachsenden Ökonomie per Saldo keine Gewinne mehr erzielbar sind. Diese Thematik wird in diesem Beitrag behandelt.

Zunächst zum Thema Geldschöpfung und Geldmengensteuerung

Uneinigkeit besteht darüber, wie zusätzliches Geld geschaffen (geschöpft) wird und wie die Geldmenge kontrolliert werden kann.

Unstrittig ist, wie das Bargeld geschaffen und in den Umlauf gebracht wird, unstrittig ist auch, dass (Buch-)Geld von der Notenbank geschaffen und über die Banken den Kreditnehmern (Staaten und Wirtschaftsakteuren) zur Verfügung gestellt wird. Weitgehend unstrittig ist ebenfalls, dass im heutigen System auch die Geschäftsbanken zusätzlich Giralgeld schaffen und per Kredit an Nichtbanken in den Umlauf bringen. Dass Banken auch bei der Vergabe von Krediten an andere Banken zusätzlich erhebliche Mengen an Geld schöpfen, wurde von Klaus Simon in einem Beitrag im Buch „Das dienende Geld“ dargestellt.

Mit diesem Beitrag möchte ich das Sparen der Nichtbanken als eine weitere Quelle der Geldmengenausweitung in die Debatte einbringen. Die Banken, die dieses gesparte Geld als Kredit an die Kreditnehmer vermitteln, schaffen nicht wirklich dieses zusätzliche „Geschäftsbankengeld“ sondern die „Sparer/innen“, indem sie mehr Leistung erbringen, als sie konsumieren. (Zu den Sparer/innen gehören auch die Unternehmen, die mehr Geld durch Gewinne erwirtschaften, als sie selbst investieren.) Die Banken sind für dieses gesparte Geld nur die Intermediäre, sie sorgen dafür, dass das Geld, das die Sparer/innen vorläufig nicht selbst in den Wirtschaftskreislauf zurückfließen lassen wollen, an andere Wirtschaftsteilnehmer/innen gelangt und so weiter im Wirtschaftskreislauf zirkulieren kann. Die Banken sorgen über die Vergabe von Krediten für das Funktionieren der Wirtschaft. (Bis jetzt habe ich nur im Buch „Die neue Wirtschaftspolitik“ von Richard A. Werner die Ansicht bestätigt gefunden, dass bei diesem Vorgang nicht die Banken als die „Schöpfer“ des Geldes zu werten sind.)

Bei einem Sparvolumen von 170 – 180 Mrd. €/Jahr ist in Deutschland das Sparen der weitaus größte Beitrag zur Geldmengenausweitung. Aus dem Buch „Monetäre Modernisierung“ von Prof. Joseph Huber ist zu entnehmen (Seite 131), dass in Deutschland von den Banken durch die Kreditvergabe an Nicht-Banken „nur“ 14 – 42 Mrd. € pro Jahr neu „geschaffen“ werden.

Für all diejenigen, die daran zweifeln, dass durch das Sparen das Geldvolumen ausgeweitet wird, möchte ich den Ablauf an einem Beispiel erläutern.

Ein Unternehmen überweist seinen Arbeitskräften aus seinen liquiden Mitteln die Löhne auf deren Girokonten. Die Geldmenge M1 bleibt dadurch konstant. Wenn nun jemand einen Teil des Lohnes nicht in voller Höhe verausgabt, sondern auf das Sparkonto oder eine andere längerfristige Anlage transferiert, dann reduziert sich zunächst die Geldmenge M1, die Geldmenge M2 oder M3 bleibt im ersten Schritt noch konstant. Wenn die Bank dieses Geld z.B. für Investitionen an ein Unternehmen per Kredit weiterreicht, erhöht sich M1 (fast) wieder auf den alten Stand, womit M2 oder M3 um das Kreditvolumen ansteigt, denn das Guthaben auf dem Sparkonto bleibt ja bestehen. Und durch den erneuten, zusätzlichen Einsatz der Produktionsfaktoren Arbeit und natürliche Ressourcen entsteht weiteres Realkapital.

Daraus folgt die These, dass zusätzliches Geld-(Kapital) dadurch entsteht, in dem mehr Leistungen erbracht werden als für den Konsum verbraucht wird.

Die Zentralbanken wollen die Geldmengenausweitung über den Zinssatz steuern. Prof. Richard Werner hat nachgewiesen, dass ihnen das damit nicht gelingt. Auch die klassische und neoklassische Lehr-Ökonomie geht von der Annahme aus, dass die Sparquote eine Funktion des Zinses ist. Wenn dies zutreffend wäre, dann müsste im Zustand des derzeitigen negativen Realzinses die Sparquote gegen Null streben oder zumindest drastisch einbrechen. Dies ist aber nicht der Fall. Für eine effektive Steuerung der Geldmenge sind deshalb ganz andere Methoden erforderlich. Da die Geldmengenausweitung ganz wesentlich durch das Sparen erfolgt, müssen Methoden zum Einsatz kommen, die das Sparen beeinflussen.

Seit der großen Steuerreform im Jahr 2000 ist das Sparvolumen stark angestiegen und die Nettoinvestitionsrate ist von 7 % auf weniger als die Hälfte eingebrochen, in den Jahren 2002 bis 2005 betrug sie im Durchschnitt nur 2,32 %. Im Jahr 2011 wurden von den privaten Haushalten 181 Mrd. € gespart, die Netto-Investitionen betrugen aber nur 85 Mrd. €. Das bedeutet, dass weniger als die Hälfte des Sparvolumens in der realen Wirtschaft im Inland investiert wurden. Durch geeignete politische Maßnahmen muss dafür gesorgt werden, dass mehr für die Zukunft investiert und weniger gespart wird.

Die Beweggründe zu sparen sind sehr vielfältig. Generell gilt, dass nur diejenigen sparen können, deren Einkommen den Mindestbedarf überschreiten. Damit scheiden schon etwa ein Drittel der abhängig Beschäftigten aus, sie sind auch nicht in der Lage für die vom Staat gewollte und subventionierte „Riesterrente“ zu sparen. Auch Rentner/innen mit geringen Ruhegeldbezügen können nicht sparen.

Ein weiteres Drittel der abhängig Beschäftigten und auch ein Teil der Selbständigen können nur in begrenztem Umfang für Notfälle, für die Alterssicherung, für zukünftige größere Anschaffungen oder für den Erwerb von Wohneigentum sparen. Sparen können aber auch Bezieher höherer Renten- und Pensionsbezüge. Sie sparen vor allem zur Absicherung für den Fall, dass sie schwer krank oder pflegebedürftig werden oder im günstigeren Fall für die „Enkel“. Diese bisher beschriebene Sparmotivation ist zu unterstützen, es muss vor allem dafür gesorgt werden, dass durch eine gerechtere Einkommensverteilung alle in die Lage versetzt werden, wenigstens im bescheidenen Umfang Ersparnisse bilden zu können, das erhöht das Sicherheitsgefühl und damit die Lebensqualität. Das dadurch entstehende Geld-Kapital wird von den Unternehmen und privaten Haushalten für Investitionen oder auch für Konsumausgaben benötigt.

Damit das Ziel der Steigerung der Zukunftsinvestitionen erreicht wird und damit nur so viel gespart wird, wie es für eine günstige wirtschaftliche Entwicklung erforderlich ist, sind in der derzeitigen Situation folgende Veränderungen erforderlich:

  1. Damit sowohl die Unternehmen wie auch die privaten und die öffentlichen Haushalte in die Zukunftsfähigkeit investieren, das heißt z.Z. vor allem in den Ressourcen- und Klimaschutz, sind geeignete Gesetze zu erlassen, die diese Investitionen auslösen. Kurzfristig kann dazu die Besteuerung der Rohstoffe eingeführt und Vorschriften zur energetischen Gebäudesanierung erlassen und die Umstellung auf erneuerbare Energien gefördert werden. (mehr dazu in F.Groll „Der Weg zur zukunftsfähigen Gesellschaft”)
  2. Damit die öffentlichen Haushalte die dazu erforderlichen finanziellen Mittel bekommen, sind die Besteuerung großer Vermögen und der Kapitaltransfers sowie Steuererhöhungen für hohe Einkommen und hohe Gewinne erforderlich.

Mit diesen beiden Maßnahmen können das Spar- und das Investitionsvolumen austariert werden, so dass das Geld-(Kapital) in der realen Wirtschaft verbleibt, also nicht in die Spekulation abwandert. Außerdem kann so die Ausweitung des Geldvolumens, das durch das Sparen entsteht, gesteuert werden.

 

Die Entstehung der Gewinne

Meinungsverschiedenheiten gibt es auch darüber, unter welchen Bedingungen die Erwirtschaftung von Gewinnen möglich ist.

Prof. Binswanger vertritt in seinen Büchern „Geld und Magie“ und „Die Wachstumsspirale“ die These, dass Gewinne nur dann erwirtschaftet werden können, wenn immer neues Geld in die Wirtschaft hineinfließt, also nur bei einer wachsenden Wirtschaft. Prof. Peach stützt in seinem Buch „Befreiung vom Überfluss“ (Seiten 105 ff) diese These mit einem einfachen Modell, in dem es nur einen Konsumgüterproduzenten gibt. Die produzierten Waren können deshalb nur von den Mitarbeitern des eigenen Betriebes gekauft werden, die natürlich nur so viel kaufen können, wie sie selbst erhalten. Die Erwirtschaftung von Gewinn ist in diesem Fall nur möglich wenn zusätzliches Geld geschaffen und per Kredit in die Wirtschaft fließt.

Nach meiner Überzeugung spiegelt dieses Modell die Realität nicht in der erforderlichen Präzision wieder und führt daher zu einer falschen Schlussfolgerung. Im Modell fehlt, dass es in der Realität außer der Konsumgüterindustrie auch eine Investitionsgüterindustrie gibt, in der die Gewinne (zum größten Teil) als Nachfrage auftreten. In dieser Investitionsgüterindustrie arbeiten ebenfalls Arbeitskräfte, die mit ihrem Lohn ebenso Konsumgüter kaufen müssen; so fließt der Gewinn ebenfalls als Nachfrage in die Konsumgüterindustrie und schließt die Lücke, die im Modell von Herrn Peach auftrat. Und der Teil des Gewinns, der nicht in die Investitionsgüterindustrie fließt, erscheint sofort als Konsumnachfrage und schließt den Kreis vollständig.

Dasselbe gilt für die Zinsen und die Steuern, auch sie tauchen entweder direkt bei der Konsumgüternachfrage wieder auf oder indirekt, wenn sie zur Finanzierung von Investitionen verwendet werden, über die Arbeitskräfte der Investitionsgüterindustrie.

Das Ergebnis dieser Analyse ist, dass es nicht zutrifft, dass nur bei einer wachsenden Wirtschaft, in die immer zusätzliches Geld gepumpt wird, Gewinne möglich sind.

Die Frage erhebt sich aber dann doch noch, wie Gewinn entsteht, wer muss ihn erwirtschaften bzw. wer muss auf etwas (auf Konsum oder Wohlstand) verzichten, damit ein Gewinn entstehen kann.

Gewinn führt (überwiegend) zur Vermehrung von Kapital. Wie wir weiter oben festgestellt haben, entsteht Geld-Kapital, indem wir weniger konsumieren als wir erarbeitet haben. Wie dieses Geld-Kapital entsteht, ob durch Sparen oder durch die Bildung von Rücklagen (auch von öffentlichen Institutionen) oder durch die Erwirtschaftung von Gewinnen, ist sekundär. Es handelt sich immer um einen freiwilligen oder erzwungenen Verzicht auf Konsum von denen, die die Werte erarbeitet haben, die sie aber nicht jetzt selbst verbrauchen (konsumieren). Wenn das so entstandene Geld-Kapital für Investitionen genutzt wird, entsteht Realkapital.

Damit ist es naheliegend zu sagen, dass alle Arbeitskräfte auf einen Teil ihrer Entlohnung verzichten, damit Gewinne entstehen können. Man kann aber noch einen Schritt weitergehen und sagen, dass alle Konsumenten, auch wenn sie gar nicht an der Wertschöpfung beteiligt sind, also z.B. Rentner/innen, für die Erwirtschaftung von Gewinnen Konsumverzicht üben müssen, denn wenn die Gewinne niedriger sind, können auch die Preise geringer sein und dann könnten auch sie mehr konsumieren. Generell gilt also, dass die Erwirtschaftung von Gewinnen immer eine Umverteilung zugunsten der Gewinnbezieher ist.

Zum Schluss müssen wir doch noch einmal kritisch hinterfragen, ob die These nicht vielleicht doch stimmt, dass für die Erwirtschaftung von Gewinn ein Zuwachs des Geldvolumens erforderlich ist, denn durch die Erwirtschaftung des Gewinns entsteht (in der Regel) mehr Geld-Kapital, das Geldvolumen nimmt also zu und wird dann zu Realkapital. Aber – wenn der Gewinn nicht für Investitionen verwendet wird, sondern für den Konsum, z.B. wenn er als Altersversorgung für ein Rentnerehepaar dient, dann führt er nicht zu zusätzlichem Geldvolumen, dennoch wurde Gewinn erwirtschaftet.

Es bleibt also bei der Feststellung, dass ein steigendes Geldvolumen keine Voraussetzung für die Erwirtschaftung von Gewinn ist. Gewinn führt aber bei der Verwendung für Investitionen zu einem zusätzlichen Geld-, Kapital- und Wirtschaftswachstum.


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14 Kommentare

  1. Natürlich kann eine Vereinfachung niemals die Wirklichkeit vollständig korrekt wiedergeben. Es gilt aber auch: Jede Darstellung, insbesondere die einer so komplexen Materie wie die einer Volkswirtschaft, ist notwendigerweise immer eine Vereinfachung. Man muß nur die Vereinfachung als solche verstanden haben, um erkennen zu können, welche Zusammenhänge sie darstellen kann und welche nicht. Je vielschichtiger, detailreicher die Darstellung gerät, desto schwieriger wird es freilich, diesen Überblick zu behalten. Ich bin deshalb ein Freund von guten Vereinfachungen. Wie wäre es hiermit:

    Wenn du – aus welchen Gründen auch immer – mehr Geld haben willst, so müßte entweder ein amderer dafür weniger haben oder aber es müßte mehr Geld geben. Nicht schwer zu verstehen, oder? Eigentlich ist damit auch schon alles gesagt. Allerdings wird in der Wirklichkeit aus dem Entweder-oder meist ein Sowohl-als-auch.

    Ich nehme nicht an, daß Binswanger oder Paech die eine Möglichkeit bestreiten wollen, ich weiß auch nicht, ob es hier überhaupt einen Streit gibt. Den beiden zitierten Herren geht es jedenfalls nicht um die betriebswirtschaftlichen Gewinne einzelner Unternehmen, sondern um die Bedeutung der Gewinne einer prosperierenden Volkswirtschaft, die natürlich nicht nur aus einem einzigen Unternehmen besteht. Aber dieses Unternehmen steht in dem Beispiel für die Volkswirtschaft als Ganzes. In dem dementsprechend erweiterten Modell müßte deshalb der gleiche einzige Betrieb sowohl Konsum- als auch Investitionsgüter herstellen. Jene verkauft er an seine Mitarbeiter, diese an sich selbst. Wo sollte da ein Gewinn entstehen?

    Was zweifellos richtig ist, ist, daß die wesentliche Unterscheidung nicht zwischen Gewinn und Lohn verläuft, sondern zwischen Kapitalgewinn und Ein- oder besser: Auskommen. Also zwischen dem Geld, was für die Vermehrung des Vermögens und dem, was für den Konsum aufgewendet wird. Das ist aber jetzt nichts Neues. Richtig ist auch, daß es keinen prinzipiellen Unterschied macht, ob einer ein paar Tausender oder ein paar Millionen anhäuft, – ebenso wenig übrigens, ob er sein Geld für Tage, Monate, Jahre oder Jahrzehnte anspart – alles nur eine Frage des Maßstabes. Ein genereller Verzicht auf das Sparen würde das Geld seiner Funktion berauben. Allerdings: Je mehr und je länger gespart wird, desto größer die Wirkung – eben eine Frage des Maßstabes. Es wäre aber plausibel anzunehmen, daß die Wirkung nicht schon dann inexistent ist, wenn sie nicht dokumentiert ist und wir sie nicht als solche wahrnehmen, weil wir den Zusammenhang nicht herstellen.

    Es würde sich vielleicht einmal lohnen zu untersuchen, ob die beschriebene Wirkung des Sparens nicht auch schon im “Normalbetrieb” in Spuren nachzuweisen ist.

    1. Bezüglich der Komplexität von Modellen sehe ich das ähnlich, aber sie müssen die Realität so gut widerspiegeln, dass daraus keine falschen Schlussfolgerungen abgeleitet werden.
      Selbstverständlich könnte das Modell auch aus einem einzigen Betrieb bestehen, der sowohl Konsum- als auch Investitionsgüter herstellt. Mit diesem Modell bekommen wir sogar noch viel leichter die Antwort auf die Frage, ob auch bei einer stationären, oder gar schrumpfenden Wirtschaft Gewinne möglich sind.
      So lange dieser Betrieb Investitionsgüter produzieren würde, also Realkapital entstehen würde, wäre das der Beweis, dass entweder Gewinne erwirtschaftet wurden, oder die Arbeitskräfte würden einen Teil ihres Lohnes sparen und dem Unternehmer für Investitionen zur Verfügung stellen. In beiden Fällen könnten die Arbeitskräfte der Investitionsgüterabteilung beschäftigt und bezahlt werden.
      In der Realität wird beides zutreffen. Das funktioniert auch ohne dass ständig von außen zusätzlich neues Geld in die Wirtschaft einfließt und ohne dass das BIP wächst, es muss „nur“ mehr produziert als konsumiert werden.
      Wir kommen damit zum selben Ergebnis wie bei meinem Beitrag.
      Wenn Gewinne entstehen, ist es gleichgültig, ob es sich dabei um Kapitalgewinne (auch Kreditzinsen) oder um Betriebsgewinne handelt. Gewinne müssen immer von allen Arbeitskräften (einschließlich der Unternehmensleitung) zusätzlich zu den Material-, Lohn- und sonstigen Kosten erwirtschaftet werden.

      1. Also die Argumentation ist jetzt mal akrobatisch. Aus der Annahme, daß dieses eine einzige Unternehmen auch Investitionsgüter herstellt, ergibt sich der Beweis, daß es auch Gewinne erwirtschaftet. Also da müssen wir schon aufpassen, daß wir nicht über unsere eigenen Füße stolpern.

        Versuchen wir mal, da einen Sinn hineinzubringen: Die kritisierte Ausgangsüberlegung beinhaltet die Annahme, daß ein Unternehmen seine Produkte verkaufen muß, um Gewinn zu erwirtschaften. Nun ist aber (Kapital-)Gewinn nicht notwendig Geld. Es kann auch jedes andere Eigentum sein, daß zur Vermehrung von Eigentum verwendet wird. Also können schon die unverkauften Güter einen Kapitalgewinn darstellen. Der Unternehmer wäre zunächst einmal nicht genötigt, alle Produkte an seine Beschäftigten zu verkaufen. Er könnte sie, wenn sie dazu geeignet sind, auch verwenden, um z.B. noch mehr Produkte herzustellen. Nur, woran bemißt sich der Kapitalwert, also der gemessene Gewinn? Letztlich eben doch am Tauschwert, der auf dem Markt realisiert werden kann, d.h. in unserem Beispiel wieviel Produkte der Unternehmer (an seine Belegschaft) verkaufen kann. Damit wären wir wieder bei der vereinfachten Version. Der kleine Exkurs war nur für diejenigen, die es gerne etwas komplizierter haben.

  2. Ich würde vorschlagen, diese Frage an kompetente Fachleute zu stellen:
    a) Ulrike Herrmann (TAZ)
    b) Die Herausgeber der Nachdenkseiten.de

  3. Zu “Bei einem Sparvolumen von 170 – 180 Mrd. €/Jahr ist in Deutschland das Sparen der weitaus größte Beitrag zur Geldmengenausweitung. Aus dem Buch „Monetäre Modernisierung“ von Prof. Joseph Huber ist zu entnehmen (Seite 131), dass in Deutschland von den Banken durch die Kreditvergabe an Nicht-Banken „nur“ 14 – 42 Mrd. € pro Jahr neu „geschaffen“ werden.”

    Also die Zahl 14-42 Mrd. ist etwas aus dem Zusammenhang gegriffen. In dem Spiegelartikel Finanzkrise: Zwei Alternativen zur Geldschwemme ist es gut zusammengefasst:
    “Huber geht davon aus, dass dem Staat allein in Deutschland 14 bis 42 Milliarden Euro jährlich zufließen würden[ durch eine Vollgeldreform], weil nicht mehr die Geschäftsbanken, sondern die Notenbanken die Gewinne aus der Geldschöpfung einstreichen könnten.” Weiter heißt es “Unter der Annahme, dass sich die Geldmenge in einem Vollgeldsystem am Wirtschaftswachstum orientiere, seien Einnahmen zwischen 14 und 42 Milliarden Euro pro Jahr zu erwarten.”
    Das Problem ist ja gerade, dass die Geschäftbanken bei guter Wirtschaftslage viel mehr Geld schöpfen, als benötigt wird und das die EZB diesen Prozess nicht wirklich kontrollieren kann. Sie sollte vielmehr selbst die Geldmenge direkt steuern können und nicht auf die Stimmung privater Geschäftsbanken angewiesen sein!

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/goldstandard-und-vollgeld-zweifel-am-finanzsystem-a-853621-3.html

    Ich denke, dass das Sparvolumen selbst bereits zum größten Teil über Kreditgeldschöpfung privater Geschäftsbanken entsanden ist.

    “82 % der Geldmenge in der Eurozone wird durch die Geldinstitute geschaffen und in Umlauf gebracht. Es handelt sich hier um das sogenannte Buch- oder Giralgeld, das nicht physisch existiert sondern nur elektronisch.”
    http://www.monetative.de/wie-entsteht-giralgeld-und-wie-kommt-es-in-umlauf/

    Daher ist meines Erachtens eine Vollgeldreform, wie sie von Hr. Huber und vielen anderen prominenten Wissenschaftlern gefordert wird, der beste Weg die Geldmenge zu steuern.

    Schaut euch mal http://www.monetative.de/ an. Bzw. informiert euch über den Ansatz der Vollgeldreform.

    Auch in den USA wird die Idee bekräftigt:
    The Chicago Plan Revisited
    Jaromir Benes and Michael Kumhof
    Revised Draft of February 7, 2013
    http://www.stanford.edu/~kumhof/chicago.pdf

    1. Die Einführung der Vollgeldreform halte ich ebenfalls für dringend erforderlich, dies schreibe ich auch in meinem neuen Buch “Der Weg zur zukunftsfähigen Gesellschaft” auf Seite 121 im Abschnitt Kontrolle der Geldmenge. Aber auch dann, wenn nur die Zentralbank das Recht zur Geldschöpfung hat, ist die Kontrolle der Geldmenge noch kein Selbstläufer. Wie die Geldmenge M2 bzw M3 durch das Sparen ausgeweitet wird habe ich bereits dargestellt. Hinzu kommt, dass die Geldmenge, auch die Geldmenge M1, mit Sicherheit auch durch den seit Jahren anhaltenden Handelsbilanzüberschuss ausgeweitet wird, ebenso führt der Geldzufluss von Ausländern zu einer Ausweitung der Geldmenge.
      Herr Huber schreibt in seinem Buch “Monetäre Modernisierung” auf Seite 132, dass in den Jahren 2007 – 2010 der Zuwachs der Geldmenge M1 1 174 Euro/Einwohner und Jahr betrug, das sind etwa 95 Mrd. €/Jahr. Aufgrund der oben angeführten Gründe wäre es ein Trugschluss, wenn daraus abgeleitet würde, dass dieses Geld ausschließlich durch die Geschäftsbanken aus dem Nichts geschaffen und in den Umlauf gebracht wurde. Es ist deshalb durchaus realistisch, wenn Herr Huber auf Seite 131 schreibt: “Ein solider Geldmengenzuwachs würde nach heutigen Maßstäben jedoch kaum höher liegen als bei etwa 14-28-42 Mrd. €, …” Es ist durchaus möglich, dass die Geschäftsbanken heute auch nicht mehr Geschäftsbankengeld schöpfen.
      Die Steuerung der Geldmenge und die Sicherung der Stabilität des Geldes bedarf auch nach einer Vollgeldreform einer gemeinsamen Politik von Zentralbank UND Regierung. In “Euroland” kommt zwingend die gemeinsame Wirtschafts-, Finanz- und Fiskalpolitik aller Euroländer hinzu.

  4. 1. BUCHGELD DER ZENTRALBANK: Dieses kann ausschließlich nur auf Konten bei der Zentralbank existieren.
    Da normale Nichtbanken (Privatpersonen und Unternehmen) da kein Konto eröffnen können, gibt es auch keine Möglichkeit, denen Zentralbank-Buchgeld „zur Verfügung“ zu stellen.
    Ein Transfer von ZBG zu normalen Nichtbanken-Konten bei Geschäftsbanken ist nicht möglich – genau wie umgekehrt auch nicht. Auch der Umweg über Bargeld ändert daran nichts.

    Daher hat der Leitzins eben nur einen sehr marginalen Einfluss auf die Wirtschaft – zumal er in Form von Zentralbankgeld zu entrichten ist.

    2. GELDSCHÖPFUNG DURCH SPAREINLAGEN: Unternehmen oder andere Nichtbanken können sich prinzipiell auf zweierlei Art und Weise Geldmittel beschaffen: Durch Kredit oder durch Leihe.

    Unstrittig ist wohl, dass bei der Kreditgewährung bei Geschäftsbanken neues Geld erzeugt wird: Der Autor schreibt selber, dass bei Krediterteilung alle bereits vorhandenen Guthaben erhalten bleiben und die Geldmenge um den Kreditbetrag steigt. Genau dieser Vorgang heißt Geldschöpfung.
    (Außerdem hat eine Bank – ähnlich wie auch die Zentralbank – die Möglichkeit, Geld zu schöpfen indem sie einen bilanzierungsfähigen Wert, zB. eine Immobilie, Gold oder ein Wertpapier, kauft; den Wert als Aktiva in ihre Bilanz schreibt und dem Verkäufer den Kaufpreis dafür als Giroguthaben gutschreibt.)

    Eine Bank hat typischerweise eine Konzession, Kredite auszugeben und eine Konzession, Kundeneinlagen hereinzunehmen. Es gibt aber auch Banken, die nur die Kredit-Konzession haben – sog. Finanzierungsbanken geben nur Kredite aus und nehmen nur Zins und Tilgung herein.
    Damit ist klar, dass die beiden Prozesse Krediterteilung und (Spar-)Geldhereinnahme nicht aneinander gekoppelt und funktional getrennt zu betrachten sind.

    Geldschöpfung ist also an die Krediterteilung gebunden und nie unmittelbar von Spareinlagen abhängig.
    Die Postulation einer zweiten Art von Geldschöpfung durch Sparen ist daher unlogisch.

    Darüber hinaus gibt es natürlich die prinzipiell andere Möglichkeit: Vorhandenes Geld weiter zu VERLEIHEN. Der typische Fall: Der Gläubiger/Investor kauft eine sog. Anleihe (ein Wertpapier) und gibt dafür sein Geld hin. Das Geld ist dann aus seinem Eigentum verschwunden und ist Eigentum des Anleihe-Herausgebers. Dieser hat dann die vereinbarte Plicht, den Leihbetrag nebst Zinsen fristgerecht zurückzuzahlen.
    Oftmals wird dieses Geld-Weiterverleihen fälschlicherweise auch als Kredit bezeichnet.

    WICHTIG: Jede geschäftsfähige Person kann Geld verleihen, so sie welches hat, aber nur wer sich auf Grund seiner Konzession Bank nennen darf, darf Kredit gewähren und damit Geld schöpfen.

    AUSSERDEM GILT: Das geschöpfte Geld ist niemals Eigentum der Bank. Sie schöpft es stets zu Gunsten des Kreditnehmers (oder Aktiva-Verkäufers). Wenn es zurückgezahlt wird, fließt es auf ein Schuldkonto und verschwindet dort gemeinsam mit der Schuld
    (beim Aktiva-Wiederverkauf wird es automatisch ausgebucht).

    3. Aber es gibt wohl einen MITTELBAREN ZUSAMMENHANG zwischen den beiden unabhängig voneinander funktionierenden Prozessen Geldschöpfung/-vermehrung und Sparen im Sinne von Geldvermögensbildung:

    Unsere hocharbeitsteilige Wirtschaft braucht zur Abwicklung der vielen Austauschoperationen eine gewisse Menge liquides (für Tausch-/Bezahlprozesse verfügbares) Geld. Die gerade richtige Menge ist (logischerweise) abhängig von der Summe aller Umsätze in einem Wirtschaftszeitraum und der durchschnittlichen Umlaufgeschwindigkeit des Geldes (d.h. wie schnell steht Geld, was gerade eben für einen Kauf/Verkauf benutzt wurde für die nächste Transaktion zur Verfügung).

    Durch Sparen wird Geld stillgelegt. Es steht dem Wirtschaftsprozess nicht mehr zur Abwicklung von Kauf/Verkaufs-Transaktionen zur Verfügung. Dabei meint „Sparen“ natürlich Netto-Sparen, d.h. die positive Differenz aus der Summe aller Sparvorgänge und davon abgezogen die Summe aller Entsparvorgänge. Gleichmäßiges Puffersparen – etwas beiseitelegen, um es zu späterer Zeit wieder auszugeben – spielt also keine Rolle.
    Durch das Netto-Sparen kommt es zum Geldmangel in der Zikulationssphäre (obwohl insgesamt genügend Geld existiert) und damit zur Deflationsgefahr falls nicht genügend Verschuldungswillige zusätzliche neue Kredite aufnehmen.

    Das PROBLEM besteht mMn. eben in der Unabhängigkeit beider Prozesse:
    Einerseits sparen Personen Geld. Je mehr Einkommen, desto mehr Sparquote – relativ unabhängig von anderen Parametern, wie zB. Zinshöhe.
    Andererseits wird ein Kredit nur aufgenommen, wenn entsprechend hohe Gewinnaussicht besteht und gleichzeitig nicht genügend Geld vorhanden ist. Zunehmend haben Investitionswillige aber genügend eigene Geldmittel, sodass der ständige Geldabfluss aus der Zirkulationssphäre durch das Netto-Sparen der Wohlhabenden zunehmend durch Netto-Kreditaufnahme der Staaten ausgeglichen wird, um genügend zirkulierendes Geld zu erzeugen und die gewünschte kleine, aber positive Inflationsrate (Sicherheitsabstand zur Deflation) aufrecht zu erhalten.

    4. INVESTITION + GEWINN: Das ist nicht neu: Am Ende des Monats wird der erzielte (verkaufs-)Erlös aufgeteilt: Lohn und die anderen Aufwendungen einerseits – und was übrig bleibt ist Gewinn.
    Was in dem Denkmodell „Nur-ein-Unternehmen-produziert-alles“ irgendwie vergessen wurde, sind diese anderen Aufwendungen. Sprich: Der Verschleiß an technologischer und anderer Ausstattung – buchhalterisch Abschreibung genannt – der irgendwann Ersatzinvestition notwendig macht. Eben diese Ersatzinvestitionsgüter haben nichts mit Gewinnverwendung zu tun, sondern sind Aufwand/Produktionskosten. Nur in noch darüber hinaus gehender (Netto-)Investition steckt Gewinn.

    Die Frage von Detlev Mattias Daniel „In dem dementsprechend erweiterten Modell müßte deshalb der gleiche einzige Betrieb sowohl Konsum- als auch Investitionsgüter herstellen. Jene verkauft er an seine Mitarbeiter, diese an sich selbst. Wo sollte da ein Gewinn entstehen?“ ist damit leicht zu beantworten. Wenn der Betrieb keine Gewinnausschüttung vornimmt, sich aber sein Eigentum (Bilanzsumme) zB. durch Netto-Investition oder auch Rücklagen ständig erhöht, dann ist diese Erhöhung gleich dem Betriebsgewinn.

    Außerdem: Der Satz „ … durch die Erwirtschaftung des Gewinns entsteht (in der Regel) mehr Geld-Kapital, das Geldvolumen nimmt also zu“ (im Anfangsbeitrag fast am Schluss) ist so nicht haltbar.
    Wie auch hier mehrfach beschrieben, ist Gewinnerwirtschaftung stets ein Umverteilungsprozess. Das bedeutet, dass die Gesamt-Geldmenge nicht beeinflusst werden kann. Das zusätzliche Geldkapital stammt aus anderen, bereits vorhandenen Teil-Geldmengen.

    Im Übrigen ist die GESAMT-GELDMENGE laut offiziellen statistischen Angaben der Bundesbank von 1990 bis 2011 von ca. (ich hab‘ grad‘ nur das Diagramm hier) 1600 Mrd € auf ca. 4500 Mrd € gestiegen. D.h. um durchschnittlich 138 Mrd pro Jahr. Davon über 100 Mrd durch private Kreditaufnahme und der Rest über den Umweg der Netto-Staatsverschuldung. Insgesamt aber alles durch Geldschöpfung bei Geschäftsbanken (auch für jeden als Bargeld kursierenden Euro muss erstmal Giroguthaben geschöpft worden sein, welches sich der Kontoinhaber dann hat bar auszahlen lassen).

    5. VOLLGELDREFORM/MONETATIVE: Ein auch hier zitiertes Hauptargument der Befürworter ist, dass die Geldmengenausweitung per Geldschöpfung bei Geschäftsbanken deren eigener Entscheidung unterliegt und der Buba/EZB überhaupt kein Instrument zur Verfügung steht, diesen Prozess direkt/zwangsweise zu beeinflussen. Und dass daher (immer) viel zu viel Geld neu geschöpft wird – wie man an der Statistik sehen kann.

    Unabhängig davon hat die Bundesbank bzw. EZB eine offizielle Aufgabenstellung: Preisstabilität zu organisieren. Konkret: Eine Inflationsrate knapp unter 2%. Die Begründung klingt plausibel: Mehr wäre zu viel Geldwertvernichtung, aber weniger wäre eine zu große Gefahr, in eine dann so gut wie nicht mehr steuerbare Deflations-Degressionsspirale zu geraten.
    Nun ist festzustellen: Obwohl es gar keine direkte Steuerungsmöglichkeit gibt, wird diese Zielstellung mit gewissen wohl nicht ganz vermeidliche Schwankungen weitgehend eingehalten. Die genannten zusätzlichen 138 Mrd pro Jahr sind offensichtlich gerade das richtig Maß, den oben erklärten Abfluss von Geld aus der Zirkulationssphäre ins Geldkapital auszugleichen.

    Durch Vollgeldeinführung würden die Einnahmen der Geldkapitalanhäufer (die reiche Elite sowie die Versicherungen und Pensionsfonds) weitgehend gleich bleiben und damit auch der Abfluss ins Geldkapital.
    Was also sollte die sicher mit riesigem Umstellungsaufwand zu installierende Monetative anders machen als jetzt?
    Wozu also der Aufwand und das Umstellungsrisiko?

    PROBLEM: 100 Mrd zusätzlicher Zuschuss zum Staatshaushalt (klingt ja im ersten Moment gut). Dafür fehlen nun in der Wirtschaft viele 100 Mrd (die 100Mrd sind nur der Saldo aus Kreditschöpfung und Tilgung), die derzeit per Kreditschöpfung zur Verfügung gestellt werden. Für jede Investition müssen nun private Geldgeber gefunden werden.
    Einfaches Beispiel aus dem Normalbürgeralltag: Für einen Häuslebauer genügt nun nicht mehr die Prüfung der Sicherheit und der Solvenz (zB. relativ sicheres Monatseinkommen) sondern es müssen für die ganze Laufzeit Geldeigentümer gefunden werden, die bereit sind, für diese Zeit auf ihr Eigentum zu verzichten und das Geld für den Häuslebau zur Verfügung stellen. Höchstwahrscheinlich müssten dafür die Guthabenzinsen drastisch erhöht werden – zu Gunsten der Geldkapitaleigentümer = weitere Umverteilung.
    Wollen wir das wirklich?

    6. MEIN FAZIT: Nach jahrelanger Beschäftigung mit Geldsystemanalyse und –kritik komme ich zu der Erkenntnis, dass das Thema Umverteilung das wesentlich wichtigere ist.

    Ist doch mehr geworden, als ich dachte – T’schuldigung.

    Viele Grüße, Eckhard Rülke, Attac-UAG Geldsystem

    1. Auf den Beitrag von Eckhard Rülke möchte ich nur in folgendem Punkt widersprechen: “Damit ist klar, dass die beiden Prozesse Krediterteilung und (Spar-)Geldhereinnahme nicht aneinander gekoppelt und funktional getrennt zu betrachten sind”. Das ist zwar nicht prinzipiell falsch, aber die Spareinlagen müssen die Banken so verwenden, dass sie damit Erlöse erzielen. Eine gute Bank, wie z.B. die GLS Gemeinschaftsbank ist deshalb bestrebt, den größten Teil der Spareinlagen als Kredite zu vergeben. In ihrer Filiale in Stuttgart gibt es deshalb ein Transparent mit dem Slogan (sinngemäß) “Geld ist nicht dazu da, um daraus mehr Geld zu machen, sondern zur Verwirklichung guter Ideen.” Wenn also viel gespart wird, müssen auch viele Kredite vergeben werden. Folglich gibt es doch eine Abhängigkeit.
      Und wenn es bei Vollbeschäftigung die Situation gäbe, dass nicht gespart würde, dann würde die Kreditvergabe nur zur Inflation führen. In diesem Fall ist das Sparen (in einer soliden Wirtschaft) eine Voraussetzung für die Kreditvergabe.
      Andererseits bitte ich darüber nachzudenken, was passiert, wenn die Spareinlagen höher sind als die Nettoinvestitionen!? Aus diesem Grund plädiere ich dafür, dass eine solide Wirtschafts-, Fiskal- und Finanzpolitik auch das Sparvolumen beeinflussen muss.

      In frage-stellen möchte ich die Meinung, dass der Satz “… denn durch die Erwirtschaftung des Gewinns entsteht (in der Regel) mehr Geld-Kapital, das Geldvolumen nimmt also zu und wird dann zu Realkapital.” tatsächlich nicht haltbar ist. Wenn der Gewinn bei der Bank deponiert wird, ist er Basis für weitere Kreditvergaben und wenn er im eigenen Betrieb reinvestiert wird und dadurch Realkapital entsteht, ist damit die Basis für eine weitere Kreditaufnahme (Geldschöpfung) geschaffen.

    2. “Wozu also der Aufwand und das Umstellungsrisiko?”

      The Chicago Plan Revisited (von Paul verlinkt) bietet schon eine Antwort dafür (Seite 4):
      “Fisher (1936) claimed four major advantages for this plan. First, it would allow for a much better control of credit cycles, by preventing financial institutions from creating their own funds during credit booms, and then destroying these funds during subsequent contractions. Second, it would completely eliminate bank runs. Third, allowing the government to issue money directly at zero interest, rather than borrowing that same money from banks at interest, would lead not only to a reduction in the interest burden of government financing, but also to a dramatic reduction of (net) government debt, given that irredeemable government-issued money represents equity in the commonwealth rather than debt. Fourth, given that money creation would no longer require the simultaneous creation of mostly private debts on bank balance sheets, the economy could see a dramatic reduction not only of government debt but also of private debt.”

      Klingt das nicht als ein Versuch Wert? Zudem würde die Umverteilung von unten nach oben durch den Mechanismus des Zinsens gestoppt werden. Da sind wir bei deinem Wunsch, Eckhard. Plus die Reduzierung in den Preisen von Waren und Dienstleitungen die eine entfallene Bedienung des Zinzens mit sich bringen würde, wenn Geldvermittlung nur durch Leihen und nicht durch Kredit statt finden würde. Diese Reduzierung würde auch noch dem Wohl der unteren Milieus dienen.

  5. Entscheidend ist die Einigkeit über den eigentlich paradox anmutenden Prozess der GELDSCHÖPFUNG per Kreditvergabe:
    Nach Prüfung der Kreditwürdigkeit schließen Bankkunde und Bank einen Vertrag(=Wertpapier). Im Gegenzug schreibt die Bank auf das Konto des Bankkunden einen zusätzlichen Guthabenbetrag in Höhe der Kreditsumme.
    Fertig ist die Geldschöpfung – ein Buchungsvorgang, zusätzliche Bits auf der Festplatte der Bank.

    Der Sinn des Ganzen findet sich in der Realwirtschaftssphäre: Der Kreditnehmer bekommt mit dem zusätzlichen Guthaben die Möglichkeit eine Leistung einzukaufen – die Gesellschaft geht ihm gegenüber in Vorleistung. Er kauft sich zB. einen LKW. Der Verkäufer bekommt dafür aus dem Nichts geschöpftes Kreditgeld, dem erstmal kein realer Wert gegenüber steht.

    In Balance bleibt das Ganze, wegen der Im Kreditvertrag vereinbarten Rückzahlung/Schuldentilgung:
    Der Kreditnehmer muss nun seinerseits eine Leistung gegenüber der Gesellschaft erbringen – indem er jetzt zB. Fuhrdienste erledigt. Doch für den erzielten Erlös kann er sich nicht wieder was kaufen, sondern zahlt es an die Bank(Tilgung), wo es sich mit seinen Schulden trifft und verschwindet.
    (Zinsen sind was ganz anderes: Dies vereinbarten Gebühren erhält die Bank als Einnahme.)

    Fazit: So organisiertes Kreditgeld ist ein ideales Hilfsmittel, um den realen Sachwertkredit – LKW gegen spätere Fuhrleistung – abzuwickeln: Die gesellschaftliche Vorleistung als Voraussetzung zum Erbringen der Gegenleistung.
    Der Wert dieses Kreditgeldes beruht als allererstes auf dem Kreditvertrag und der darin vereinbarten Rückzahlungsverpflichtung!

    Soweit die Kurzbeschreibung der Grundfunktion, die wir bei notwendigen Verbesserungsvorschlägen nicht aus dem Auge verlieren dürfen.

    Wenn man sich diesen ständigen Austausch von Sachleistung gegen Kreditgeld und umgekehrt so als Prozessbild im Kopf hat, wird offensichtlich, das SPAREN dabei eine Störfunktion hat: Jemand hat irgendwann eine Leistung erbracht und dafür dieses Geld bekommen. Eigentlich könnte er damit nun die Gegenleistung einfordern/einkaufen. Der Verkäufer könnte dieses Geld dann vielleicht zur Begleichung von Kreditschuld benutzen.
    Stattdessen wird dieses Geld auf einem Konto oder unterm Kopfkissen stillgelegt – stellt aber weiter eine potentielle Forderung an die Gesellschaft dar:
    Zu irgendeinem späteren Zeitpunkt kann der Sparer mit seinem Geld wieder auf den Plan treten und die Gegenleistung der Gesellschaft einfordern. Ggf. ist dann die ursprünglich für dieses Geld erbrachte Realleistung aber längst verbraucht – dem Geld steht kein Wert mehr gegenüber.
    Nicht zu vergessen: In der gesamten Zwischenzeit existiert für jeden gesparten Euro irgendwo ein ansonsten unnötiger Kredit mit einem Schuldner und einer ständigen Zinszahlungspflicht. Tilgung ist nicht möglich, weil das Guthaben-Geld gebunkert ist.

    Fazit: Solche Spar- und Entsparvorgänge können nur problemlos funktionieren, solange sie sich einigermaßen ausgleichen: Ein paar Leute sparen(Konsumverzicht) während ein paar andere gerade alte Sparguthaben auflösen und damit einkaufen gehen.
    Je höher das Gesamtsparvolumen, desto höher die notwendigen zusätzlichen Kredite und Zinsen darauf und desto höher die Gefahr eines plötzlichen Entsparens für die Gesellschaft: Sie müsste dann für die aktuellen Spargeldeigentümer jede Menge Leistung praktisch ohne Gegenwert erbringen!

    Wenn dagegen gar nicht gespart würde, wäre die Geldsystemwelt vollkommen in Ordnung: Überall wo für die Abwicklung eines (gesellschaftlich nützlichen) Geschäftsvorganges Geld gebraucht wird, lässt man es per Kredit entstehen. Nach der vereinbarten Zeit ist es durch die Tilgungspflicht wieder verschwunden.
    Bei gleichbleibender Wirtschaftsleistung sollte also das Volumen der ausgegebenen Kredite immer ungefähr genauso groß sein, wie das der getilgten. Bei Schwankungen entsprechend mehr bzw. weniger.

    Richtig ist: Für die an Sparer zu zahlenden Guthabenzinsen müssen Banken Gewinne erwirtschaften – zB. auch durch Kreditzinseinnahmen.

    Richtig ist außerdem: Wenn viel gespart wird, müssen viele zusätzliche Kredite das dadurch dem Wirtschaftskreislauf entzogene Geld wieder neu erzeugen – aber das hatte ich ja schonmal beschrieben.

    Und dass durch Gewinnerwirtschaftung nicht gesamtgesellschaftlich zusätzliches Geld entsteht sondern nur bereits vorhandenes Geld von den Unternehmenskunden umverteilt wird zum Unternehmenseigentümer, kann sich jeder leicht selbst überlegen.
    Prozesse, die das Geldvolumen insgesamt erhöhen sehen anders aus: Im Goldgeldsystem werden neue Münzen aus Gold geprägt. Im Kreditgeldsystem wird Kredit ausgereicht.

    BD, Eckhard Rülke

  6. “Wenn nun jemand einen Teil des Lohnes nicht in voller Höhe verausgabt, sondern auf das Sparkonto oder eine andere längerfristige Anlage transferiert, dann reduziert sich zunächst die Geldmenge M1, die Geldmenge M2 oder M3 bleibt im ersten Schritt noch konstant.”

    Dann habe ich die Definition von M2 nicht verstanden. Heißt das nicht “M1 + Einlagen”? Wieso bleibt M2 konstant?

    1. “Dann habe ich die Definition von M2 nicht verstanden. Heißt das nicht “M1 + Einlagen”? Wieso bleibt M2 konstant?”

      Weil das gesparte Geld innerhalb von M2 umgeschichtet wird:
      Von M1 zu “Einlagen”. Da beides aber zu M2 gehört, ändert sich bei M2 nichts.

    2. Die Frage ist etwas zu unscharf gestellt.
      Erstens besteht M1 selbst überwiegend aus Einlagen, nämlich den täglich fälligen Einlagen auf den sog. Girokonten, wo wir wohl inzwischen alle eins haben. Außerdem gehört zu M1 das mengenmäßig unbedeutende Bargeld im Umlauf.

      Richtig ist: Beim umlagern in eine Sparanlage wird M1 vermindert. Ob M2 oder auch M3 konstant bleibt, kommt auf die Konditionen der Sparanlage an.
      Wenn sie zB. eine Kündigungsfrist von mehr als 3 Monaten hat, zählt sie nicht mehr unter M2 und auch nicht unter M3.

      Solche über M3 hinausgehenden, langfristig angelegten Geldmengen nennt man mitunter Geldkapital. Es ist mengenmäßig ungefähr nochmal genausoviel, wie M3. Darin noch nicht enthalten ist die sog. Marktliquidität, also zB. Aktien und die sog. Derivate, die wertmäßig ungefähr nochmal beim 10-fachen des o.g. liegt.

      Insgesamt ist zu sagen, dass die Abgrenzung M2 und M3 währungsraumspezifisch und relativ willkürlich, nämlich für statistische Zwecke festgelegt sind. Für das Wirtschaftssystem und zum Verständnis der Funktion des Geldsystems sind sie eher unrelevant.

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