Kissinger war gestern

von Hans Jürgen Krysmanski

Die Konturen einer neuen Weltpolitik werden immer deutlicher. Da reist ein deutscher Außenminister in die ukrainische Krisenregion und trifft sich zuerst, vor dem Provinzgouverneur, mit dem lokalen Oligarchen. Die USA beschränken nach der russischen Krim-Annexion ihre politischen Sanktionen zunächst auf Einreiseverbote und Kontensperrungen für einige Oligarchen aus dem Umfeld von Wladimir Putin. Der bedeutende französische Ökonom Thomas Piketty spricht vom ‚drift towards oligarchy’ weltweit. Und Paul Krugman kämpft in der New York Times gegen die ‚Herrschaft der Oligarchen’ im eigenen Lande.

Solche Akzentverschiebungen machen deutlicher denn je, dass mit ihnen auch eine Krise der geopolitischen Routinen einhergeht. ‚Routinen der Krise – Krise der Routinen’ nennt sich denn auch der kommende Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in der Karl-Marx-Stadt Trier. Auf der Weltbühne agieren auf einmal, neben den traditionellen staatlichen und nicht-staatlichen Organisationen, die seltsamsten Figuren und Konfigurationen: geldmächtige Individuen, milliardenschwere Technikgurus und ‚Philanthropen’, ‚Märkte’ bzw. deren Vertreter, sich verselbständigende Geheimdienste, Warlords mit Krawatte.

Die politische Klasse hingegen macht, trotz allen Pomps und allen medialen Hypes, eine zunehmend unglückliche Figur; sie selbst ist verunsichert, macht den Eindruck, als blicke sie nicht mehr durch, lässt sich bestechen, bringt ihre Schäfchen und sonst nichts ins Trockene. Demokratie ist käuflich geworden und immer öfter, nicht zuletzt in den USA, stecken Netzwerke von Superreichen dahinter, die beispielsweise 20 000 Lobbyisten nach Washington schicken können, während ‚das Volk’ es gerade mal auf rund 600 Abgeordnete bringt. Staatliche Regulierung hat sich weitgehend aus der Kontrolle des privaten Sektors, so er nur geldmächtig genug ist, zurückgezogen, die Gewaltenteilung wird durch Korruption zur Farce.

Privatisierung ist hier zweifellos das Schlüsselwort, von der Privatisierung des Krieges bis zur Privatisierung der Kunst. Vor den schönsten Flecken unseres Planeten stehen die Schilder ‚Privat – Betreten verboten’. Wenige tausend Privatpersonen, umgeben von ein paar hunderttausend Helfern (vom Vermögensverwalter bis zum Bodyguard), verfügen über jeweils mehr als 1 Milliarde (und bis zu 60 Milliarden) Dollar Privatvermögen. Hinzu kommen ca. 10 Millionen Millionäre. Viel Geld – die Schätzungen gehen bis 50 Billionen Dollar – ist über den ganzen Planeten in Offshore-Nischen geparkt. Indivíduen wie  Bill Gates können mit ihrem Geld die Weltgesundheitspolitik stärker beeinflussen als es der WHO je möglich war. Privatisierung, die alle Grenzen übersteigt, bedeutet, dass der Kapitalismus, wie wir ihn kennen, allmählich in einen ‚Transkapitalismus’ mit neo-feudalen Strukturen, in ein oligarchisches System überzugehen beginnt.

Privateigentum dieser Größenordnungen kann durch keine Rechts- oder Völkerrechtsordnung eingebunden werden. Bei allen konstruktiven Möglichkeiten, die es birgt, wirkt es letztlich destruktiv – u.a., weil es innerhalb dieser Welt der Milliardäre auch viele Gegensätze und Feindschaften gibt, die tendenziell mit allen, aber auch allen Mitteln ausgetragen werden und damit das eigentliche Milieu des unbeschränkten Privateigentums, das Chaos, erzeugen.

Andererseits sind durch Privatinitiativen von Tüftlern und Bastlern, welche die digitale Revolution in Gang gebracht haben, unendlich viele Möglichkeiten einer datenbasierten, wissenschaftlichen Gestaltung der Zukunft unseres Planeten eröffnet worden. ‚Im Prinzip’ also könnte das drohende Chaos verhindert und Milliarden von Menschen eine friedliche Zukunft gesichert werden. Dazu aber wäre es – ob nun mit oder ohne Nerd-Milliardäre – notwendig, alle Daten, alles Wissen, das sich heute in weitgehend privaten Denkfabriken, Planungsstäben etc. angesammelt hat, öffentlich zugänglich zu machen. Dem System der privaten Ausbeutung von Informations- und Wissensvorsprüngen (mit denen viel Geld, allzu viel Geld gemacht werden kann) muss die Praxis einer Befreiung aller demokratie- und planungsnützlichen Daten entgegengesetzt werden.

Ein Kommentar

  1. Die Welt wird von
    einer Million bösen Männern,
    zehn Millionen dummen Männern und
    hundert Millionen Feiglingen, gelenkt.

    Von den wirklich bösen Männern gibt es auf der ganzen Welt nur eine Million.
    Die richtig Reichen und richtig Mächtigen, deren Entscheidungen ins Gewicht fallen,
    – das sind nicht mehr als eine Million.
    Die bösen Männer – die Reichen, die Politiker und die religiösen Fanatiker – diktieren mit der geballten kapitalistischen Macht, die ihnen zur Verfügung steht, die Entscheidungen in der Welt und halten sie auf ihrem Kurs von Gier und Zerstörung, indem sie Unrechtssysteme errichten, in denen
    der Raub den diese Männer begehen, auf legale Weise stattfindet.

    Die Dummen, von denen es zehn Millionen gibt, sind die Richter, Soldaten und Polizisten, die den Gesetzen der Bösen Geltung verschaffen. Es sind die stehenden Heere der zwölf wichtigsten Staaten und die Polizei dieser zwölf und zwanzig weiterer Staaten und die Macher der Medien, welche den Lügen der Oligarchien Geltung verschaffen.
    Insgesamt gibt es von dieser Sorte Männern nur zehn Millionen, die Macht oder Einfluss besitzen.
    Sie sind oft mutig, aber sie sind auch dumm, weil sie ihr Leben für Ideale opfern und für Regierungen, die sie wie Schachfiguren herumschieben. Auf lange Sicht verraten ihre Regierungen sie immer oder lassen sie im Stich. Die Staaten vernachlässigen niemanden sträflicher als die Helden ihrer Kriege.

    Die hundert Millionen Feiglinge,
    das sind die Bürokraten, die Bürohengste, die Federfuchser und die Karrieristen, die zulassen, dass das Böse regiert und einfach wegschauen – der Leiter einer Behörde, der Sekretär jenes Konzerns, der Präsident einer anderen Vereinigung oder der Chefredakteur dieser Zeitung oder jenes TV-Senders.
    Sie sind als Manager, Funktionäre, Bürgermeister, Richter und Justizbeamte, nur ihrer Karriere verpflichtet und ihre Rechtfertigungen klingen immer gleich.
    Sie weisen darauf hin, dass sie nur Gesetze befolgen, Befehle von oben ausführen, dass sie nur ihre Arbeit tun, die mit ihrer persönlichen Gesinnung nichts zu tun habe und dass es andere tun würden, wenn sie es nicht täten.
    Es sind immer dieselben Menschen die aus Angst selbstständig zu “Denken und zu Handeln”, Berufe ergreifen, wo Sie sich sicher fühlen und Handlanger der Mächtigen werden und Denkschablonen benutzen um Ihre Mitmenschen zu demütigen. Wer gewohnt ist Befehlen zu gehorchen, drangsaliert natürlich auch gerne, wenn die Möglichkeit besteht.
    Das so genannte gerechte Gesetz für den Reichtum, steht hinter diesen gehirngewaschenen Bürokraten.
    Es gibt hundert Millionen Feiglinge, die ganz genau wissen, was läuft, aber nichts sagen und stillschweigend ein Dokument unterzeichnen, das einen Mann in die Todeszelle oder eine Millionen Menschen zu einem langsamen Tod durch Verhungern verurteilt.

    Wir anderen, die ganzen sieben Milliarden von uns, tun mehr oder weniger das, was man von ihnen verlangt.
    Aus „Shantaram“
    von Georg Davis Roberts
    17. Kapitel

    Übrigens: Die 111 Millionen sind lediglich 0,0157 % der Weltbevölkerung.
    Unglaublich! Die Welt steht komplett auf dem Kopf und wir lassen uns das seit fast 3000 Jahren gefallen. Ist das die Macht der Gewohnheit, oder sind wir, die Untertanen, einfach zu blöde oder zu feige? Wollen wir die Menschen als Art und die Lebensgrundlagen dieses Planeten erhalten,
    dann hilft nur die schnellstmögliche Entsorgung des Kapitalismus, ihrer repressiven Institutionen, und ihrer Propheten auf der Müllhalde der Geschichte
    (BoKa)

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